Biochemische Aspekte von Insulin
Struktur von Insulin
Proteohormon bestehend aus A-Kette (21 AS) + B-Kette (30 AS), verknüpft durch
zwei Disulfidbrücken, dritte Disulfidbrücke innerhalb der A-Kette zur
Stabilisierung der Raumstruktur
Vorkommen in monomerer Form im Blut, in den
Granula der ß-Zellen der Langerhans'schen Inseln als Zinkkomplex (stark
kondensierte Form)
Biosynthese und
Sekretion
Ort der Insulinbiosynthese
- endokriner Teil des Pankreas (Langerhans'schen Inseln), ß-Zellen (80% der
gesamten Zellmasse des Inselorgans),
- a-Zellen sezernieren Glucagon (Gegenspieler des Insulin),
- d-Zellen produzieren Somatostatin
Insulinbiosynthese
- Beide Ketten des Insulins resultieren aus einem einkettigen
Vorläufermolekül, dessen Gen auf dem kurzen Arm von Chromosom 11 liegt. Gen
enthält zwei Introns.
Präpro-Insulin
- besteht posttranslational aus Signalpeptiden und Sequenzen der A- +
B-Kette, wird am rER synthetisiert, Signalpeptid ermöglicht Einfädelung der
synthetisierten Peptidkette in das ER
Proinsulin
- entsteht nach Abtrennung des Signalpeptids im ER, enthält noch das
C-Peptid
Insulin
- entsteht nach Entfernung des C-Peptids im Golgi-Apparat bzw. in den
ß-Granula
- => C-Peptid bleibt in äquimolarem Verhältnis zum Insulin bestehen, wird
nicht abgebaut, bei Diabetikern mit exogener Insulin-Behandlung durch
immunologische C-Peptid-Bestimmung Rückschluß auf die Restsekretion von
Insulin
- Glucose stimuliert die Expression des Insulingens (Substratinduktion),
Insulin hemmt die Expression (Endproduktrepression?).
Sekretionsmechanismus
- Insulin + C-Peptid werden in abgeschnürten Sekretgranula des
Golgi-Komplexes gespeichert, Wanderung der Granula zur Zellmembranoberfläche,
Exocytose in den perikapillären Raum
- Reiz zur Auslösung der Insulinsekretion ist die Glucosekonzentration in
der extrazellulären Flüssigkeit, Beginn der Insulinsekretion bei einer
Glucosekonzentration von 2-3 mmol/l, Grundlage für den Glucosebelastungstest
- Konzentrationsabhängige Glucoseaufnahme + -verstoffwechslung der ß-Zellen
- Steigerung des Glucoseumsatzes in der ß-Zelle führt zum Anstieg des
zellulären ATP/ADP-Verhältnisses
- Hemmung des ATP-empfindlichen K+- Kanals in der Membran der Zelle =>
Depolarisierung
- Öffnung eines Ca²+-Kanals => Anstieg der cytosolischen
Kalziumkonzentration
- Auslöser für gesteigerte Exocytose
Sekretionsprofil von Insulin
- Unter physiologischen Bedingungen erfolgt ein Anstieg der
Insulinkonzentration nach Erhöhung der Blutglucosekonzentration
- => Grundlage des Glucosebelastungstest zur Diagnose von Diabetes
mellitus
Modulation der
Insulinsekretion
- Aminosäuren, Fettsäuren + Ketonkörper können zur Insulinfreisetzung führen
+ verstärken die Insulinfreisetzung, Anwesenheit von Glucose ist aber in jedem
Fall notwendig
Hormonwirkung
- Noradrenalin + Adrenalin hemmen die Insulinsekretion, Einsatz des
Adenylatcyclase-System
- Somatostatin aus den d-Zellen hemmt die Insulinsekretion, physiologische
Bedeutung ist unklar.
Enterohormone (Inkretine)
- Gastrisches inhibitorisches Peptid (GIP): wird nach kohlenhydratreichen
Mahlzeiten in verstärkten Maße gebildet und stimuliert die
Insulinsekretion.
Abbau von Insulin
- Halbwertzeit von 7-15 Minuten, durch Glutathion-Insulin-Transhydrogenase
erfolgt eine reduktive Spaltung der Disulfidbrücken zwischen der A- + B-Kette,
danach proteolytischer Abbau der isolierten Ketten
Biologische Wirkung von Insulin
Schnelle Stoffwechselwirkungen von Insulin
| Effekt |
Stoffwechselwirkung |
| Steigerung des Glucosetransports in
Skelettmuskel + Adipozyt |
Senkung der Blutglucosekonzentration;
Steigerung der Glykogensynthese +Glykolyse |
| Aktivierung der Glykogensynthase |
Steigerung der Glykogensynthese in Leber +
Skelettmuskulatur |
| Aktivierung der cAMP-spezifischen
Phosphodiesterase |
Senkung des cAMP-Spiegels; in
Fettgewebe Hemmung der Lipolyse, in Leber +
Skelettmuskel: Hemmung der Glykogenolyse + Stimulierung der
Glykogensynthese, in der Leber Hemmung der
Gluconeogenese |
| Steigerung des Aminosäuretransports in
Skelettmuskel |
Steigerung der zellulären
Aminosäurekonzentration, Stimulation der
Proteinbiosynthese |
Langsame Stoffwechselwirkungen von Insulin
| Effekt |
Stoffwechselwirkung |
| Induktion der Lipoproteinlipase |
Steigerung der Spaltung von
VLDL-Triacylglycerinen Stimulierung der
Triacylglycerinbiosynthese |
| Induktion von Glucokinase,
Phosphofructokinase, Pyruvatkinase |
Stimulierung der Glykolyse |
| Repression der Pyruvat-Carboxylase,
Fructose-1,6-Bisphosphatase + Glucose-6-Phosphatase |
Hemmung der
Gluconeogenese |
Molekularer Wirkungsmechanismus
- Insulin bindet an einen in der Plasmamembran der Zielzelle gelegenen
Insulinrezeptor.
- Tetramere Struktur mit zwei identischen Untereinheiten (a2ß2). Sie sind
durch Disulfidbrücken untereinander verknüpft.
- Bindung eines Insulinmoleküls an den a-Untereinheiten =>
Konformationsänderung an den ß-Untereinheiten => Aktivierung der
Tyrosinkinase
- Tyrosylreste werden phosphoryliert, Signaltransduktion
- Trityrosinregion: Bei Austausch der Tyrosylreste durch Mutation in
Phenyalanin wird der Rezeptor inaktiv.
- Nach Phosphorylierung Assoziation eines spezifischen Proteins an den
Rezeptor (Insulinrezeptorsubstrat 1 = IRS-1) => Phosphorylierung
spezifischer Tyrosylreste des IRS-1 => Anlagerung weiterer Proteine für die
intrazelluläre Signaltransduktion des Insulins
© 05/98 Katrin Gebauer:gebauer@uni-duesseldorf.de